Quantcast
Channel: Lubmin Nix Da
Viewing all articles
Browse latest Browse all 10

So viel Hausarbeit – und alles umsonst

$
0
0
So viel Hausarbeit - und alles umsonst

So viel Hausarbeit – und alles umsonst

Sind Männer in Skandinavien bessere Partner? Wenn’s um das Thema Hausarbeit geht auf jeden Fall.
Die OECD hat weltweit untersucht, welche Aufgaben Frauen und Männer daheim erledigen. Das Ergebnis: Im Vergleich verbringen skandinavische Männer mehr Zeit mit Hausarbeit als beispielsweise Portugiesen, Italiener oder Deutsche. Doch sie investieren immer noch weniger Zeit dafür als die skandinavischen Frauen, genauer gesagt mindestens eine Stunde weniger – pro Tag.

Ein paar Beispiele: In Dänemark verbringen Frauen 243 Minuten pro Tag mit der Hausarbeit, ihre Männer 186 Minuten. In Schweden sind es 249 zu 177 Minuten, in Finnland 245 zu 154 Minuten. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 297 zu 131 Minuten – das ist ein Unterschied von fast 2,5 Stunden! Was man in dieser Zeit alles machen könnte, Sport zum Beispiel oder einfach die Seele baumeln lassen.

Mehrarbeit in Spielfilmlänge
So gesehen können wir uns in Deutschland nicht beklagen: Frauen wenden 269 Minuten für die unbezahlten Alltagsarbeiten auf, Männer 164 Minuten. Mit 105 Minuten – das ist so lang wie ein Kinofilm – liegt die Differenz immerhin unter dem OECD-Durchschnitt. Sie sieht auch besser aus als in Polen, Australien oder China.

Unbezahlte Arbeit, so die Wissenschaftler der OECD, ist bei weitem nicht wertlos. Sie trägt zum Wohlstand eines Landes bei. Nach ihren Berechnungen machen diese Tätigkeiten etwa ein Drittel des Bruttosozialprodukts aus.

So viel hätten wir verdient
Rechnen wir mal nach. Was machen Frauen im Haushalt? Laut OECD ist es spülen, putzen, aufräumen, aber auch die Betreuung von Kindern oder anderen Familienmitgliedern gehört dazu. Täglich 269 Minuten summieren sich auf 1883 Minuten pro Woche, das sind 31,4 Stunden – schon fast eine Vollzeitstelle, zumindest in der Metallbranche!

Legen wir dann einen Mindestlohn von 8,50 Euro zugrunde (der Tarif in der Pflegebranche), dann kommen pro Woche 266,90 Euro zusammen. Zumindest im Westen Deutschlands. Im Osten sind es nur 235, 50 Euro, weil Pflegekräfte dort nur 7,50 Euro pro Stunde erhalten. Im Jahr wären es insgesamt 13.878, 80 Euro beziehungsweise 12.246,00 Euro. Damit kann man schon einen Kleinwagen bezahlen – oder eine extravagante Reise.

Frauen putzen, Männer werkeln
Mal schauen, was die Männer so erwirtschaften: Aus 164 Minuten am Tag werden 1148 in der Woche oder 19,13 Stunden – das ist wohl eher eine Teilzeitstelle. Doch im Verhältnis bringt sie mehr, weil Männer, so OECD, andere unbezahlte Tätigkeiten vorziehen als Frauen.

Männer werkeln, reparieren oder bauen. Im schlechtesten Fall wäre dies ein Stundenlohn von 9,50 Euro, das erhalten ungelernte Maler- und Lackierer bundesweit. Bei 19,31 Stunden macht dies 183,45 Euro in der Woche oder 9539,40 Euro im Jahr.

Zusammen leistet ein Paar also unbezahlte Arbeit im Wert von 23.418,20 Euro im Jahr. Und das ist nur im und ums Haus.

Auch außerhalb gibt’s viel zu tun
Nicht eingerechnet hat die OECD all die Arbeiten, die wir wohl oder übel übernommen haben, weil sie uns aufgezwungen werden. Bankgeschäfte und Reisebuchungen gehören schon seit langem dazu. Neuerdings gilt außerdem auch das Kellnern als chic, zum Beispiel in besonders angesagten Pastarestaurants.

Wir haben uns daran gewöhnt, die Preise schwedischer Möbel einzuscannen, unsere Haare im Friseursalon selbst zu fönen und Postdienstleistungen via E-Mail zu erledigen. Und für manche ist dies noch nicht alles. Viele Eltern verbringen viele Stunden als Hilfslehrer und pauken mit dem Nachwuchs. Ohne ihr häusliches Engagement kommt keine Schule mehr aus.

Mal ehrlich: Wär’s nicht besser, Fachleute würden all die Arbeiten übernehmen?


Viewing all articles
Browse latest Browse all 10